Hier finden Sie einige unserer aktuellen Lieblingstitel, die wir Ihnen gerne empfehlen möchten:

Das Haus mit der kleinen roten Tür
Grace
Easton. Aus dem Englischen
übersetzt von Stephanie Menge Fischer Sauerländer. 19,90 Euro. Ab 4 Jahren
Mit ihrem ersten Buch schenkt uns die Londoner Autorin und Illustratorin Grace Easton eine wunderschöne Winter- und Freundschaftsgeschichte: Olivia wohnt in einem Haus mit einer kleinen roten Tür. Maus wohnt im Garten, in einem großen alten Baum. Beide sind ein bisschen einsam und freuen sich über die Gesellschaft der anderen. Sie entdecken gemeinsam die Freuden des Winters – bis der alte Baum unter der Schneelast zusammenbricht und Maus ihr Zuhause verliert. Olivia versucht für ihre kleine Freundin eine neue Wohnung zu finden: Vielleicht in der Teekanne? In der Kuckucksuhr? Oder in einem Käselaib? Nichts will richtig passen, aber am Ende finden die beiden doch noch eine Lösung …
Ein traumhaft schön illustriertes Bilderbuch, mit dem man in die Welt von Olivia und Maus eintauchen kann. Hinter jeder Klappe gibt es etwas zu entdecken, die detailreichen Bilder laden zum Schauen, Suchen und Schmunzeln ein. Perfekt geeignet, um sich mit Kakao und Tee auf dem Sofa einzukuscheln.
Rezension: Malu Schrader

Das Haus am Park Judith Kerr und ihr Leben in London
Thomas Harding (Text), Britte Teckentrup (Illustration) Aus dem Engischen von Nicola T., Jacoby & Stuart Verlag, 22,00 €, ab 8 Jahren
Ein Haus kann mehr erinnern als man denkt.
In „ Das Haus am Park " wird ein Gebäude in London zum Erzähler seiner eigenen Vergangenheit. Es berichtet davon, wer in seinen Räumen gelebt hat, gelacht hat, Abschied nehmen musste und neu begonnen hat. Über Jahrzehnte hinweg begleitet es die Bewohnerin Judith Kerr- ein Mädchen, das
mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten in Deutschland fliehen
musste und später als Kinderbuchautorin weltbekannt wurde. Sie schrieb
unter anderem den Kinderbuchklassiker „ Als Hitler
das rosa Kaninchen stahl ".
Das Haus beobachtet ihren Weg vom unsicheren Neuanfang bis zu einem Leben voller
Kreativität und Geschichten. Mit jedem Umzug, mit jedem Umbau und jeder Veränderung wächst auch
die Idee von Zuhause. Es ist nicht nur ein Ort, sondern ein Gefühl von
Sicherheit und Ankommen.
Britta Teckentrups atmosphärische Bilder machen diese Reise sichtbar.
Warm, ruhig und voller kleiner Details, die man immer wieder neu entdecken kann.
Für wen eignet sich das Buch ?
Für Familien, für Kinder ab 8 Jahren und für alle, die Bilderbücher lieben, die mehr erzählen als eine einfache Geschichte.
Dieses Buch lädt dazu ein über Heimat, Erinnerung und den Wert eines Ortes ins Gespräch zu kommen.
Dieser Titel ist Teil einer Reihe, in der jedes Buch die Geschichte eines Hauses erzählt
( Sommerhaus am See, Das alte Haus an der Gracht, Das alte Haus auf der Farm ).
Häuser werden zu Zeitzeugen. Sie bewahren Erinnerungen, Emotionen und Lebenswege.
Eine ungewöhnliche Perspektive, die Geschichte ganz nah und persönlich macht.
Ein stilles , berührendes Bilderbuch über das Ankommen, Mut und den Wert von Geschichten.
Über die Autor* innen
Thomas Harding
schreibt über historische Themen und Familiengeschichten.
Er findet Wege, große Geschichte durch einzelne Lebenswege greifbar zu machen.
Britta Teckentrup
ist eine preisgekrönte Illustratorin mit unverwechselbaren Stil.
Ihre Bilder sind poetisch, klar und emotional.
Perfekt für ein Buch, das Erinnerungen sichtbar macht.
Rezension: Daniela Hötzel

Das war doch keine Absicht!
Jörg Mühle Moritz Verlag, ab 4 Jahren, 14,00 €
Sich zu entschuldigen, fällt nicht immer leicht. Das wissen nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen. Denn bei einer Entschuldigung müsste man sich ja eingestehen, etwas falsch gemacht zu haben. Manche Entschuldigungen sind aber auch nur halbherzig dahingesagte Floskeln, um sich aus einem Konflikt zu entziehen.
Der Frankfurter Kinderbuchillustrator und -autor widmet sich in seinem neuen Bilderbuch „Das war doch keine Absicht“ diesem heiklen Thema Entschuldigungen. In seinen anderen beiden Bilderbüchern über Bär und Wiesel „Zwei für mich, einer für dich“ und „Morgen bestimme ich“ hat Jörg Mühle schon auf sehr humorvolle Art und Weise gezeigt, wie er mit konfliktreichen Themen umgehen kann.
An einem Wintermorgen hat es viel geschneit und Bär und Wiesel gehen nach draußen, um Schnee zu schippen. Der Bär schaufelt dem Wiesel im Eifer des Gefechts eine volle Ladung Schnee ins Gesicht. Das Wiesel regt sich furchtbar auf und besteht auf einer Entschuldigung. Der Bär zeigt jedoch keine Einsicht, denn schließlich sei das ja keine Absicht gewesen. Um dem Bären zu zeigen, wie das mit dem Entschuldigen geht, tritt das Wiesel dem Bären kräftig in den Hintern und entschuldigt sich danach. Der Bär ist gleich voll bei der Sache und gibt dem Wiesel einen kräftigen Schubs. „Entschuldigen macht sogar Spaß“ findet er. Daraufhin beginnt eine wilde Schneeballschlacht und Schneebälle und Entschuldigungsrufe fliegen hin und her. „Ihr spinnt doch!“ findet der Fuchs, der die beiden beobachtet. Hier sind sie sich jedoch einig. So etwas darf man nicht sagen und der Fuchs muss sich entschuldigen.
Beim Lesen dieses wunderbaren Bilderbuches haben nicht nur kleine, sondern auch große Leser viel Freude. Pointiert und unglaublich humorvoll erzählt Jörg Mühle von einer kleinen Auseinandersetzung vor winterlicher Kulisse und lässt die Leser mitfiebern und mitlachen. Die Themen in seinen Bilderbüchern sind sehr nah an der kindlichen Lebensrealität und haben ein großes Identifikationspotential. Seine genialen und witzigen Illustrationen sind perfekt auf den Text abgestimmt. Dieses besonderen Lesevergnügen sollten Sie sich nicht entgehen lassen!
Rezension: Grischa Götz

Jetzt fang ich dich!
Camilla Pintonato, aus dem Italienischen von Markus Weber Moritz Verlag, ab 4 Jahren, 15,00 €
Dieses wunderbare Bilderbuch erzählt von den ersten abenteuerlichen Schritten eines kleinen Löwen ins selbständige Leben. Dazu gehört das erste Fangen einer Gazelle, was sich allerdings als nicht so einfach erweist, wie er es sich vorstellt. Diverse kreative, unglaublich komische Versuche startet der kleine Löwe um die gewitzte Gazelle in seine Fänge zu bekommen. Leider eher Fehlversuche. Es entspinnen sich witzige Situationen zwischen Fangen und Gefangen werden mit einem verblüffenden, durchaus hintergründigen Ende. Die hinreißenden plakativen Illustrationen unterstreichen die vielen Episoden der Fangversuche kongenial. Unbedingt vorlesen!
Rezension Ulrike Boessneck-Voigt

In Barbaras Rhabarberbar wird niemals der Rhabarber rar
Bodo Wartke. Illustrationen von Alexandra Junge Carlsen Verlag, 15,00 €, ab 6 Jahren
So, sag fünfmal schnell hintereinander: „Fischers Fritz fischt frische Fische“
Wer kennt Sie nicht die Zungenbrecher. Aber was macht denn der Fischer nach dem Fangen mit den frischen Fischen? Habt ihr euch schon mal gefragt, warum Schnecken sich nicht gerne lecken oder wie eigentlich Blaukrautflecken wieder aus Brautkleidern rausgehen? Nicht nur einen Satz, sondern ganze kleine Geschichten schreibt Bodo Wartke in seinem Buch und beantwortet so manche Fragen, die wir uns vielleicht mal gestellt haben. Von Bürstenborsten über Floßflussfahrerfrust bis zum Cottbuser Podcaster ist alles mit dabei.
Das Buch beinhaltet 25 einzelne unabhängige Geschichten. Und wie könnte es bei dem Musikkaberettist und Sprachakrobat anders sein, sind alle ein einziger Zungenbrecher. In bis zu 3 Seiten langen Geschichten werden auf amüsante und fantasievolle Art alltägliche Dinge von Menschen und Tieren erzählt.
Von Alexandra Junge illustriert unterstreichen liebevolle und lustige Zeichnung die Zungenbrecher. Dadurch lädt das Buch spielerisch ein, sich gemeinsam oder auch allein mal selbst am Vorlesen zu probieren und Zungenbrecher-Sprech zu üben. Die Kombination aus Text und Bild eignet sich perfekt zum entspannten Durchblättern, so dass auch nicht Leser*innen ihren Spaß haben können. Vor allem wenn die Texte mit mehr oder weniger Erfolg einfach vorgelesen werden. Und falls es doch mal zu anstrengend wird, könnt ihr euch über den QR-Code am Anfang des Buches, alles auch einfach von Bodo persönlich Vorlesen zu lassen.
Rezension: Marie Günther

Mika Mysteries. Der Ruf des Nachtraben
Johan Rundberg. Aus dem Schwedischen übersetzt von Franziska Hüther Magellan Verlag, 17,00 €, ab 10 Jahren
Winter in Stockholm, 1880:
Mika ist 13 Jahre alt und ein kluges, wortgewandtes und gewitztes Waisenmädchen.
Eines Tages wird sie in die Ermittlungen eines geheimnisvollen Mordfalls verwickelt.
Denn nicht nur der Stockholmer Winter ist kalt und schonungslos, sondern auch die
kapitalistische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in der sich Mika bewegt. Sie ist täglich
Gefahren ausgesetzt und ständig auf der Hut. Dies kommt ihr nun zugute: Ihre
Beobachtungsgabe stellt selbst die der erfahrenen Polizisten in den Schatten.
Ohne Scheu das Elend der Armut, des Hungers und der Machtlosigkeit zu beschreiben,
erzählt Mikas Abenteuer gleichzeitig von Gerechtigkeit, Menschlichkeit und dem Willen
Geheimnisse zu lüften. Mika nimmt uns mit auf eine Reise durch ihr Unterbewusstsein
von den kleinsten Details bis hin zur großen Erkenntnis. Wir sind eingeladen mitzuraten,
denn alles kann ein Hinweis sein!
Im Auftakt von Johan Rudbergs Mika Mysteries finden Krähen, Nachtraben, Ratten und
ein dunkler Engel ihren Platz. Die mystische Erzählweise ist packend wie ein eisiger
Schneesturm und hinterlässt ein feines Frösteln. Für alle die sich trauen der Wahrheit in
die Augen zu sehen und Lust haben durch die nächtlichen Straßen Stockholms zu
streifen. Da Mika noch längst nicht alle Geheimnisse enthüllt, wächst die Vorfreude die Vorfreude umso mehr.
Rezension: Marla Schroer

Der Jahrmarkt der Zeitreisenden. Der gestohlene Kristall
Lena Hach, Beltz und Gelberg Verlag, 16,00 €, ab 11 Jahren
Livs Familie tourt seit Generationen mit einem wunderschönen nostalgischen Karussell von einem Jahrmarkt zum nächsten. In dieser trubeligen Welt aus grellen Lichtern, buten Fahrgeschäften und Süßigkeiten fühlt sich Liv zu Hause. Neben den vielen Orts- und Schulwechseln sind die Zwillinge vom Riesenrad, mit denen sie befreundet ist, eine wichtige Konstante in ihrem Leben. Doch eines Tages wird der Kristall aus dem Familienkarussell gestohlen und es funktioniert plötzlich nicht mehr. Für Liv ist klar, dass sie diesen Kristall unbedingt zurückholen muss, denn von ihm hängt das Wohlergehen der ganzen Familie ab. Auf ihrer Suche begegnet sie immer wieder einem altmodisch gekleideten Jungen, der im „Tunnel of Love“ aus Wagen Nr. 8 auftaucht und verschwindet. Sie verdächtigt ihn und fühlt sich gleichzeitig zu ihm hingezogen. Als sie ihm folgt, macht sie eine unglaubliche Entdeckung.
In dieser spannenden und fantasievollen Geschichte tauchen wir als Leser*innen ein in eine bunte Welt voller Magie und turbulenter Ereignisse. Neben der wilden Jagd nach dem Kristall und der Zeitreise in die Vergangenheit geht es aber auch um eine Freundschaftsgeschichte mit Höhen und Tiefen und um das erste Verliebtsein. Diese Mischung aus Spannung, Magie und Tiefgang ist sehr gelungen. Zudem bekommen wir Einblicke in das Leben einer Jahrmarktsfamilie, die mit Vorurteilen ihrer Außenwelt zu kämpfen hat. Hier räumt Lena Hach gründlich auf mit Klischees und entkräftet diese.
Rezension: Grischa Götz

Das falsche Leben
Maja Nielsen Gerstenberg Verlag, 15,00 Euro, ab 14 Jahren
Stell dir vor, du wächst in einer ganz normalen westdeutschen Familie auf. Schule, Freunde, Fußball- nichts Außergewöhnliches.
Und dann bricht innerhalb kürzester Zeit alles auseinander: der
Vater ist nicht nur ein ganz normaler Vater, sondern ein Spion der DDR. Das normale Leben war Tarnung…
In „Das falsche Leben" erzählt Maja Nielsen die wahre Geschichte
einer Familie, die in der Bundesrepublik lebte, während der Vater im
Auftrag der DDR Informationen sammelte.
Als die Entdeckung droht, trifft er eine Entscheidung, die das Leben aller zerstört.
Er bringt Frau und Kinder zurück in die DDR, er tut so, als wäre der Großvater auf Usedom erkrankt.
Was folgt ist kein Neuanfang, sondern ein Eingesperrtsein in einem
System, das die Kontrolle über alles hat: Bewegungsfreiheit,
Entscheidungen, sogar Gedanken.
Der Sohn Thomas versucht auszubrechen. Doch die Flucht scheitert. Er landet in Haft, erst in Untersuchungshaft, später im berüchtigtem Gefängnis in Bautzen.
Maja Nielsen lässt uns sehr dicht an seinen Erlebnissen teilhaben. Angst, Orientierungslosigkeit, die brutale Kälte des Systems.
Was das Buch so eindringlich macht: die Geschichte wird nicht aus
der sicheren Distanz erzählt, sondern aus der Perspektive eines
Jugendlichen, der versucht zu verstehen, wie seine Eltern Teil eines
Apparates sein konnten, der ihn selbst wegsperrt.
Das Buch beruht auf einer wahren Geschichte, die Maja Nielsen packend erzählt.
Die Autorin schreibt Sach- und Jugendbücher, in denen echte Lebensgeschichten im Mittelpunkt stehen. Sie recherchiert akribisch, spricht mit Zeitzeug* innen und verwandelt Fakten in lesbare, mitreißende Geschichten.
Rezension: Daniela Hötzel

Schau genau hin! Das außergweöhnliche Handbuch der Beobachtologie
Giselle Clarkson, aus dem Englischen von Katharina Diestelmeier
Moritz Verlag, ab 8 Jahren, 22,00 €
Ein Abschluss in Beobachtologie ist gar nicht so schwer. Vor allem mit dem neuen Buch der Autorin und Illustratorin Giselle Clarkson. In diesem Naturführer werden viele der schönen Lebewesen behandelt, die wir durch ein wenig aufmerksames Hinschauen überall in unserem Alltag entdecken, beobachten und bewundern können. Von kleinen Krabblern über furiose Flechten, bis zu fabelhaften Fliegern behandelt die Comiczeichnerin diverse Reiche und Stämme.
Aufgeteilt ist das Buch nach den Orten, wo es sich lohnt, mal genau hinzuschauen. Und in kurzen Kapiteln werden Klassen, Ordnungen und Gattungen genauer unter die Lupe genommen. Zudem finden sich in allen Kapiteln hilfreiche Tipps und Tricks zum Beobachten, An- und Weglocken, Helfen oder Dokumentieren.
Humor- und liebevoll gezeichnete Abbildungen begleiten und veranschaulichen alle Erklärungen. Die Illustrationen von Menschen, Tieren, Pflanzen und Pilzen sind dabei divers und realistisch gestaltet und laden so zum einfachen und entspannten Betrachten ein.
Eine geschickte Kombination aus Informationen und Fachbegriffen, unterstützt von kleinen Sprechblasen, mit Konversationen und Kommentaren sorgen für ein interessantes und lustiges Leseerlebnis. Damit ist das Buch perfekt für alle Entdecker*innen ab 8 Jahren.
Am Ende des Buchs wisst ihr nicht nur wie ihr Fliegen am besten aus dem Haus lotst oder einem Falter auf nette Art zeigt, dass ihr lieber allein duschen möchtet, sondern seid vielleicht auch Expert*innen in Taxonomie. Außerdem wartet zum Schluss noch die ein oder andere Überraschung auf alle Leser*innen.
Und natürlich gilt: „Schaut auch beim Lesen genau hin ;)“
Rezension: Marie Günther

Autobiographie meines Körpers
Lize Spit. Aus dem Niederländischen übersetzt von Helga van Beuningen. S. Fischer. 26 Euro. Für Erwachsene.
»In den Sekunden nach dieser Mail muss Folgendes geschehen: Die gepunktete Linie muss festgelegt werden. Ich bin keine Tochter, die eine Mail liest, ich bin die Schriftstellerin, die die Tochter dabei beobachtet, wie sie die Mail liest.« Die Autorin Lize Spit und ihre Geschwister erhalten Ende 2021 eine Mail von ihrer Mutter, in der sie ihnen mitteilt, dass sie – wahrscheinlich unheilbar – an Krebs erkrankt sei, und dass sie sich darüberhinaus von ihrem Vater scheiden lassen werde. Was beinahe grotesk beiläufig erscheint, verbirgt in Wahrheit viel Schmerz. In ihrem vierten, sehr persönlichen Buch erzählt Lize Spit von ihrer Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter und einem unberechenbaren Vater, von Sprachlosigkeit und Einsamkeit innerhalb der Familie und davon, wie sich all das in den Körper einschreibt. Jetzt, wo ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt, versucht sie noch einmal in Verbindung mit der Mutter zu treten, Nähe zuzulassen. Abschied zu nehmen. Literarisch verdichtet reflektiert die belgische Autorin, was all das für ihr eigenes Leben bedeutet. Als Autorin und als Tochter. Ein schmerzliches und zugleich auch tröstliches Buch über das Aufwachsen in einer dysfunktionalen Familie, über Sehnsüchte und Trauer, starke Geschwisterbindungen und die Beziehung zum eigenen Körper. Und wie Lize Spit das erzählt: sachlich, lakonisch, voller einprägsamer Bilder, hin und wieder mit leisem Humor. Ein beeindruckende Lektüre voller Sätze, die in Kopf und Herz bleiben.
Rezension: Malu Schrader