Büchertipps

Hier finden Sie einige unserer aktuellen Lieblingstitel, die wir Ihnen gerne empfehlen möchten:

Locken, Pony, Pferdeschwanz und jede Menge Firlefanz

Locken, Pony, Pferdeschwanz und jede Menge Firlefanz

Daniela Kulot
Gerstenberg Verlag, ab 2 Jahren, 9,95 €

Haare, Frisuren und Haarschmuck sind schon immer spannende Themen für Kinder. In Daniela Kulots originellem Reimebuch für die ganz Kleinen geht es um eher außergewöhnliche, lustige Frisuren, die sich über alle Rollenklischees hinwegsetzen. „Klaus-Linus hat 'nen Perdeschwanz mit viel Tamtam und Firelfanz“ und „Marike trägt 'nen schicken Kamm, ganz anders als ihr braves Lamm“. Gemüse im Haar, ein langer Bart als Verkleidung, eine Marshelmfrisur und grüne Grütze im Haar – all diese lustigen Frisuren und Verkleidungen amüsieren nicht nur die kleinen sondern auch die großen Leser. Die Quintessenz des Buches ist, dass es nicht wichtig ist, was man auf dem Kopf hat, sondern was darin ist. Ein herrliches und äußerst amüsantes Vorlesevergnügen für kleine Haarfans.
Grischa Götz

Eine Maus namens Julian

Eine Maus namens Julian

Joe Todd-Stanton
Beltz & Gelberg Verlag, ab 4 Jahren, 12,95 €

Die kleine Maus Julian kommt in der Welt bisher recht gut allein zurecht. Wenn man eine kleine Maus ist, sollte man ohnehin auf der Hut sein und möglichst niemandem vertrauen. Julians Lebensmotto funktioniert bis zu dem Tag, an dem ein gefräßiger Fuchs seine Schnauze zu tief in Julians Mäusehöhle steckt. Um herauszukommen, braucht er Julians Hilfe. Die beiden plaudern eine ganze Nacht lang, Julian füttert den Fuchs und befreit ihn schließlich aus seiner misslichen Lage. Und der Fuchs? Er hat erkannt, dass es viel netter ist, mit Julian zu essen als Julian aufzuessen...
Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Denn auch Julian benötigt bald die Hilfe eines Freundes....
Ein wunderschönes Bilderbuch über Mut und Freundschaft. Die liebevollen und fröhlichen Illustrationen haben uns besonders begeistert. In dem verzweigten unterirdischen Höhlensystem der Tiere kann man unheimlich viel erkennen und entdecken. Und Julian ist einfach eine herrlich sympathische Maus.
Anja Kronier

Die ganze Wahrheit

Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)

Leslie Connor
Carl Hanser Verlag, ab 10 Jahren, 16,00 €

Mason Buttle, 13 Jahre alt, lebt bei Großmutter und Onkel auf einer heruntergekommenen Apfelfarm in der amerikanischen Provinz. Er nennt sein Zuhause nicht ganz zu Unrecht „Bruchbude“. Deren Bewohner haben allerdings in letzter Zeit auch diverse Schicksalsschläge erlebt: Mason hat seinen Vater nie gekannt, kurz hintereinander sind Großvater und Mutter gestorben und im letzten Jahr dann auch noch sein bester (und einziger Freund) Benny Kilmartin. Da dieser bei einem ungeklärten Unfall ums Leben gekommen ist und Mason derjenige war, der ihn als letzter lebend gesehen hat, vermuten einige Bewohner des Ortes, er könne etwas damit zu tun haben. Allen voran Lieutenant Baird.

Trotz dieser Schicksalsschläge, Unterstellungen und fiesester Mobbingattacken ist Mason meistens zuversichtlich. Sein übermäßiges Schwitzen, seinen riesigen Körper, seine Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben erträgt er mit bewundernswerter Gelassenheit. Als Ich-Erzähler berichtet er im naiven Erzählton von den Ereignissen eines Sommers, erinnert sich an Vergangenes und erzählt von der Gegenwart. Und entfaltet so die „ganze Wahrheit“. Es ist der Sommer, in dem Mason seinen neuen Freund Calvin kennenlernt. Es ist der Sommer, in dem auch dieser Freund Opfer eines Unfalls wird…

Mason besticht durch seine Gradlinigkeit. Seinen Witz. Seine Klarheit und seinen Optimismus. Aber auch das schräge Figurenensemble um ihn herum überzeugt. Da gibt es eine gestrandete Jugendliche, die kaufsüchtig ist und nun auch noch in Masons Zimmer wohnt, da gibt es eine Großmutter, die rein zufällig just in dem Moment den Mixer anstellt, in dem sie Dinge nicht hören will und dabei sehr süffisant lächelt, da gibt es einen sensationellen Hund, der schon immer weiß, zu wem er gehört. Und neben all der Themen, die mit den Figuren erzählt werden, steht die grandiose Freundschaftsgeschichte von Mason und Calvin.
Anna Winkler-Benders

The Loop

The Loop – Das Ende der Menschlichkeit.

Ben Oliver
Carlsen Verlag, ab 12 Jahren, 15,00 €

"The Loop" ist der Beginn einer mega spannenden Trilogie. Viel zu lange dauert es bis endlich im August der zweite Band erscheint…

Luka sitzt in einem Hightech-Jugendgefängnis. Alles wird von Computern gesteuert und man wird total überwacht. Jeder Tag ist die Hölle. Außer der täglichen, schmerzhaften Energieernte, werden die Jugendlichen für wissenschaftliche Experimente missbraucht.

Eines Tages verschwinden Wächter, einige Insassen nehmen sich das Leben und auf einmal ist in all dem Chaos ein Ausbruch möglich. Es kursiert das Gerücht, ein Virus verwandelt die Menschen in Killermaschinen. Nun stellt sich die Frage, wo herrscht die größere Gefahr…im Loop oder außerhalb?

Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt. Nichts für Leser*innen mit empfindlichen Nerven, aber für alle anderen ein MUSS.
Manon Weinbrenner

AnyBody. Dick & dünn& Haut & Haar: das große ABC von unserem Körper-Zuhause

AnyBody. Dick & dünn& Haut & Haar: das große ABC von unserem Körper-Zuhause

Katherina von der Gathen/Anke Kuhl
Klett Kinderbuch Verlag, ab 8 Jahren, 16,00 €

Wolltest du nicht schon immer einmal wissen, wie andere Menschen unter ihrer Kleidung aussehen, wenn sie nackt sind oder wieviel Liter Körperflüssigkeiten wir im Laufe unseres Lebens produzieren? Katherina von der Gathen und Anke Kuhl haben ein spannendes und witziges Buch gemacht, in dem wir alles über den menschlichen Körper erfahren, z.B. über Körperprozesse, Besonderheiten, Körpersprache, Gefühle, Sexualität und Körperkult. Die alphabetisch-lexikalische Anordnung des Textes wird durch Anke Kuhls humorvolle und unverwechselbare Illustrationen und Bildtafeln aufgelockert, auf denen wir z.B. körperbezogene Sprichwörter und Aussprüche sehen. Das Buch ist in einer kindgerechten, verständlichen und genderneutralen Sprache geschrieben. Es bietet eine gelungene Mischung aus Information und Unterhaltung und erfreut und amüsiert große und kleine Leser*innen gleichermaßen. Mir hat besonders gut gefallen, dass es darin keine Tabus und Schönheitsnormen gibt. Körper werden in allen Formen, Hautfarben und Größen und mit allen Besonderheiten gezeigt.
Grischa Götz

Sehen

Sehen

Romana Romanyschyn, Andrij Lessiw / Claudia Dathe (Übers.)
Gerstenberg Verlag, ab 8 Jahren, 20.00 €

Bis zu sieben Millionen unterschiedliche Farbtöne kann ein geschultes menschliches Auge sehen. Sieben Millionen! Der Durchschnittsmensch immerhin mehrere Hunderttausend. Pferd, Eule und Hund nehmen da wohl deutlich weniger wahr und sehen zudem auch ganz anders. Welche Art von Sehhilfen gibt es? Und wie kann man Schönheit sehen?

Das Bildersachbuch des ukrainischen Grafikerpaares Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw ist ein echter Knaller. Im doppelten Sinne. Zum einen, weil das Buch in einem intensiven knalligen Neonorange leuchtet, in dieser Farbe (neben einem Blau und Gold/Gelb und Grünton) immer wieder in Text und Bild sehr typografisch erzählt wird. Zum anderen, weil es das Thema Sehen sowohl als Sachthema behandelt als auch philosophische Fragen dazu liefert. Die Seiten sind klar aufgebaut. Mal mit satter Hintergrundfarbe, mal mit viel Weißraum. Auf den nahezu quadratischen Doppelseiten lesen sich knappe Texte zu den Bildern (in unterschiedlichen Techniken wie Lithografie oder Siebdruck) fast wie Lexikoneinträge. Ebenso führt jedoch auch ein kleines Mädchen (nebst Eule!) als Ich-Erzählerin durch die Welt ihres Sehens, ihrer Wahrnehmung. Zu Beginn des Buches öffnet sie ihre Augen, am Ende schließt sie sie. Dazwischen staunt, wundert und grübelt man als Leser*in mit ihr über Unsichtbares und Sichtbares. „Ich betrachte die Welt mit weit aufgerissenen Augen. Ich möchte Unbekanntes entdecken, hinter den Horizont schauen und Dinge begreifen, die nicht offensichtlich sind.“

Sehr klar. Sehr besonders. Sehr schön. Zu Recht 2019 von der Stiftung Buchkunst mit der Bronzemedaille in der Kategorie „Schönste Bücher aus aller Welt“ ausgezeichnet.

Im Sommer 2021 folgt übrigens ein Buch der beiden Künstler*innen zum Thema Hören. Mit ähnlichem Konzept.
Anna Winkler-Benders

Unsere Anarchistischen Herzen

Unsere Anarchistischen Herzen

Lisa Krusche
S. Fischer Verlag, 23,00 €

Lisa Krusches Debüt „Unsere anarchistischen Herzen“ erzählt aus Multiperspektive die Coming-of-Age Geschichte von Gwen und Charles, zwei klugen, wie rebellischen jungen Frauen.

Charles muss mit ihren gar nicht mal so erwachsenen Hippie Eltern auf eine Bauernhof-Kommune ins JWD von Berlin ziehen. Was das erträglich macht? Eigentlich nur ein Plüsch Oktopus, das Pony Gerd und ihre tiefschürfenden Nebenbei-Chats mit Berlin-Homie Gustav.

Gwen stammt aus reichem Elternhaus, fühlt sich mehr und mehr von ihrer Familie entfremdet. Nachts prügelt sie sich mit Jungs oder zieht ihnen das Geld aus der Tasche. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die beiden sich am gemeinsamen Lieblingskiosk bei Lycheesaft und Melonenkaugummi in die Arme laufen und feststellen, dass Freunde vielleicht die verkorksteste Familie ersetzen können.

Krusche erzählt frech, schnell und trifft mit ihrer frischen Sprache einen Ton der Gegenwart. Holt Euch also nen Lycheesaft vom Kiosk Eures Vertrauens und fangt an zu lesen!

Textstelle:
„ich hab mal eine sagen hören
boah ey das ding ist
man wird ja erwachsen
was ich wirklich vermissen werde
sind die dinounterhosen
und keine hormone“ (S.81)
Johannes Teschner